Laserzahnheilkunde
1. Der Laser in der modernen Zahnheilkunde ein Überblick
Das Kunstwort LASER ist ein Akronym für Light Amplification
by Stimulated Emission of Radiation, was mit
Lichtverstärkung durch stimulierte Strahlungsemission übersetzt
werden kann. Das in unserer Praxis eingesetzte Gerät, das modernste
zurzeit auf dem Markt befindliche, ist ein sog. Festkörperlaser
des Er:YAG-Typs (KaVO KEY-Laser 3).
Die Einführung der Lasertechnologie in unseren Fachbereich
1964 eröffnete vollständig neue Behandlungsmethoden. Die
Weiterentwicklung hat heute ein bis dahin ungeahntes Spektrum von
Anwendungsmöglichkeiten erschlossen. Der ursprüngliche
Traum, Karies berührungs- und schmerzarm zu entfernen, ist
in Erfüllung gegangen. Die Einsatzbreite moderner Geräte
geht aber darüber weit hinaus, in fast allen Bereichen werden
Laser heute effektiv eingesetzt. In der Füllungstherapie, Parodontologie,
Chirurgie und Endodontie (Wurzelkanalbehandlung) erlaubt der Lasereinsatz
ein wesentlich schonenderes Vorgehen als konventionelle Methoden.
2. Was leistet der Laser im Einzelnen?
Füllungstherapie
Der KEY-Laser strahlt mit einer Wellenlänge, die mit dem Absorptionsmaximum
von Wasser zusammenfällt. Da alle biologischen Gewebe, selbst
Zahnschmelz, Wasser in unterschiedlichen Anteilen enthalten, ist
dieser Lasertyp zum Abtrag von Zahnhartsubstanzen prädestiniert.
Die Strahlung wird bereits an der Oberfläche in max. 1 µm
Tiefe des bestrahlten Gewebes absorbiert und dringt nicht in tiefere
Schichten vor. Das in den Zahnhartsubstanzen enthaltene Wasser wird
durch den kurzen Laserimpuls schlagartig vom flüssigen in den
gasförmigen Aggregatszustand überführt. Die Volumenexpansion
bewirkt einen effektiven Substanzabtrag, der nicht durch die höherschmelzende
Gewebssubstanz bestimmt wird, sondern durch die geringere Verdampfungswärme
des Wassers. Es kommt zu keiner nennenswerten Erwärmung angrenzender
Bereiche.
Zahnschmelz, Dentin und Karies können somit berührungs-
und schmerzarm abgetragen werden, das von vielen Patienten als unangenehm
empfundene Bohrgeräusch entfällt. Der Laserstrahl besitzt
eine stark antimikrobielle Wirkung, was Beschwerden nach Präparationen
im nervnahen Bereich bei einer tiefen kariösen Zerstörung
des Zahnes drastisch reduziert. Die Gefahr einer Pulpitis (Entzündung
des Zahnnervens) ist nach einer Laserpräparation deutlich verringert,
Wurzelkanalbehandlungen werden wesentlich seltener erforderlich.
Sie als Patient empfinden die Laserpräparation erst in nervnahen
Bereichen als ein nadelstichähnliches "Antippen"
des Zahnes, wobei sehr tiefe Defekte auch bei der lasergestützten
Präparation eine Anästhesie notwendig machen können.
Fissurenversiegelungen (Näheres zu diesem Thema erfahren
Sie hier) können lasergestützt in wesentlich besser
Qualität erbracht werden. Vor der prophylaktischen Versiegelung
kariesfreier Seitenzähne werden die betroffenen Fissuren mit
dem Laser von organisch Auflagerungen vollständig und schmerzarm
befreit. Dies gewährleistet, dass eventuell vorhandene Keime
eliminiert werden und unter der Versiegelung keine Karies entsteht.
Zudem wird der Zahnschmelz im Randbereich der Fissuren aufgeraut,
wodurch ein optimaler Verbund zwischen Versiegelungskunststoff und
dem Zahn erreicht wird.
Parodontale Regeneration
Detaillierte Informationen zur konventionellen Parodontitis-Therapie
erhalten Sie hier. Dieser
Bereich des zahnärztlichen Therapiespektrums ist die Domäne
des Er:YAG-Lasers. Die Vorteile seiner Anwendung sind so zahlreich,
dass das konventionelle Vorgehen als eine Therapie zweiter Wahl
anzusehen ist. Beide Verfahren führen gleichermaßen zum
Ziel. Die lasergestützte Behandlung ist jedoch mit einem wesentlich
geringeren Zeitaufwand verbunden, kann meist ohne Anästhesie
durchgeführt werden und die antimikrobielle Wirkung des Lasers
macht eine begleitende oder postoperative Gabe eines Antibiotikums
überflüssig, da auch Parodontitis-Erreger einen hohen
Wasseranteil aufweisen. Sie absorbieren die Energie des Laserlichtes
und der augenblickliche Druckanstieg im Zellinneren führt zur
Eliminierung der Keime.
Wird beim konventionellen Vorgehen die Kürette zur Entfernung
der harten und weichen Beläge in die Tasche eingeführt,
so übernimmt bei der Laserbehandlung ein schmaler Lichtkeil
diese Aufgabe. Da die Kürettage nicht unter Sicht durchgeführt
werden kann, besteht die Unsicherheit, ob alle Beläge restlos
entfernt werden konnten. Hier leistet der KEY-Laser bisher Unerreichtes:
ein Diagnoselicht, das ebenfalls über den Lichtkeil in die
Tasche geleitet wird, regt in den Belägen auf der Wurzeloberfläche
Fluoreszenzerscheinungen an. Sie strahlen in einer charakteristischen
Wellenlänge ab, die das Gerät über Filtersysteme
erkennt und nun den Therapielaser aktiviert, bis sämtliche
Ablagerungen entfernt sind.
So wird eine Überinstrumentierung sicher vermieden, alle Ablagerungen
jedoch zuverlässig entfernt. Zeitgleich werden in den Taschen
befindliche Keime eliminiert und somit eine bisher unerreichte Therapiesicherheit
erlangt, die eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen belegt.
Die Studien zeigen auch, dass aufgrund der atraumatischen Behandlungsweise
mit dem Laser der Anstieg von Rezessionen (entzündungsfreier
Verlust von Zahnfleisch) im Unterschied zum konventionellen Vorgehen
moderater ausfällt.
Und das alles werden Sie, sollten sie sich einer Parodontitis-Behandlung
unterziehen müssen, als Patient unserer Praxis sicherlich am
meisten zu schätzen wissen!
Chirurgie
Der Einsatz eines Lasers in der Oralchirurgie ist auf wenige Bereiche
beschränkt. Die Vorteile der lasergestützten Chirurgie
liegen in der Hauptsache beim koagulierenden Schneiden oder Abtragen
von Weichgeweben (Bändchen-Entfernung, Freilegung von Implantaten,
Eröffnung von Abszessen, Abtrag flächiger Mundschleimhauterkrankungen),
wobei auf Nähte meist verzichtet werden kann. Als Vorteile
werden ein weitestgehend blutungsfreies Operationsfeld und ein vermindertes
Infektionsrisiko angeführt. Bei Wurzelspitzenresektionen ist
als begleitender positiver Effekt die keimabtötende Wirkung
des Lasers zu erwähnen. Anästhesien sind, wie bei jedem
chirurgischen Eingriff, auch bei der Laseranwendung notwendig.
Weitere Anwendungsbereiche
Bei Aphten und Herpes-Simplex-Infektionen erzielt die Laser-Therapie
im Sinne einer Biostimulation gute Erfolge, wobei der tatsächliche
Effekt nach wie vor unklar ist. Vermutlich liegt ein Placebo-Effekt
vor, wobei die Biostimulation eine hohe Akzeptanz bei Patienten
und Ärzten genießt, da keine Nebenwirkungen bekannt sind
und der Placebo-Effekt dem Laser zugeschrieben wird.
Obwohl der Laser die konventionelle Aufbereitung des Wurzelkanals
nach einer Infektion (Pulptitis) bzw. dem Absterben (Gangrän)
des Nerv-Gefäßstranges noch nicht ersetzen kann, hat
er in der Endodontie (Wurzelkanalbehandlung) eine weitere Indikation
gefunden. Der Wurzelkanal wird mit entsprechenden Instrumenten konventionell
erweitert und auf diese Weise von den infizierten bzw. abgestorbenen
Gewebsresten befreit. Mit einer Glasfaser wird abschließend
der Laserstrahl in das Kanallumen geleitet, seine stark antimikrobielle
Potenz sorgt für Keimfreiheit und ein zügiges Abklingen
der Beschwerden.
Die Zahnsteinentfernung mittels Laser gestaltet sich für den
Patienten wesentlich angenehmer als das übliche Vorgehen mit
Ultraschall, insbesondere bei sensiblen Zahnhälsen. Auch hier
kann berührungs- und somit schmerzarm gearbeitet werden.
Vielleicht kennen Sie aus eigener Erfahrung das Problem überempfindlicher
Zahnhälse, die das Zähneputzen und den Genuss eines kalten
oder heißen Getränkes zur Qual machen können. Auch
hier kann der Laser durch eine Versiegelung der Zahnoberfläche
schnell Abhilfe leisten.
3. Was kostet mich eine Laserbehandlung?
Lasergestützte Behandlungen werden von den Versicherern zurzeit
nicht übernommen. Die Kosten sind aufwandsabhängig und
werden für jede Behandlung individuell bestimmt.
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